Warum über 95 % der Diäten nicht funktionieren!

Warum Diäten nicht funktionieren, möchte ich dir in Form der autobiografischen Geschichte, von Kathryn Hansen, einer amerikanischen Buchautorin erzählen. Hansen litt an einer Binge-Eating-Störung. Binge heißt übersetzt so viel wie „Saufgelage“. Unter Binge-Eating versteht man somit exzessives, übermäßiges Essen. Dabei essen Betroffene in kurzer Zeit unheimlich große Mengen, ohne diese anschließend wieder auszuspucken, wie das z.B. bei der Bulimie der Fall ist. Hingegen der landläufigen Meinung, Magersucht oder Bulimie seien die beiden häufigsten Essstörungen, ist es in Wahrheit das Binge-Eating, worunter die Bevölkerung am meisten leidet. Es sind sogar bis zu 4 Prozent der Personen zwischen 20 und 30 Jahren.

Mein Programm richtet sich nach der milderen Form der Binge-Eating-Störung: dem emotionalen Essen. Davon gibt es viel, viel mehr Betroffene, als man denkt.

Unschuldige Diäten...

Zurück zur Geschichte. Alles fing mit einer „unschuldigen“ Diät an. Um in einer bestimmten Gewichtsklasse eines anstehenden Sport-Wettkampfs mitzukämpfen, wollte die damals noch studierende Kathryn einige Kilos verlieren. Doch diese Diät war der Anfang ihres Leidens. Ihr Essverhalten war seitdem verstört.  Denn sie entwickelte dadurch starke Heißhunger- und Fressattacken. Immer öfter plagte sie das Bedürfnis, sich hemmungslos vollstopfen zu müssen. 

Sie beschloss nie, nie, nie wieder einen Fressanfall zu haben…

Alles fing beim Besuch bei ihren Eltern zur Weihnachtszeit an. Nach dem Fest wartete Kathryn sehnsüchtig darauf, dass die Feier im Kreise der Familie endlich zu Ende gehen würde, sodass sie ungestört ihrem Verlangen nachkommen konnte. Schon den ganzen Abend über, konnte sie an nichts anderes denken - obwohl sie mit ihrer Familie mehr als gut gegessen und wie jeder andere zur Weihnachtszeit viel genascht hatte. Als es im Haus ruhig wurde, schlich sie in die Küche – das ganze gute Essen, das Fleisch, die Kartoffeln, der restliche Kuchen, die Weihnachtspralinen… Sie aß alles auf einmal auf. Irgendwann war sie so vollgefressen, so aufgebläht und fühlte sich dabei hundeelend.  Sie wollte das nie wieder erleben. Sie beschloss nie, nie, nie wieder einen Fressanfall zu haben…

Doch nur wenige Tage später holte ihr Verlangen sie wieder ein...

Die Weihnachtstage vergingen und Silvester stand vor der Tür. Vollgepackt mit Neujahrsvorsätzen ihren Essanfällen im neuen Jahr endlich ein Ende zu setzen. Voller Hoffnung betrat sie die Rückreise zu ihrer Studentenwohnung. Doch das Lunchpaket für die Fahrt überlebte nicht lange. Auch ein Besuch beim Supermarkt brachte weitere Snacks wie Kekse, Marshmallows und Schokoriegel hervor, die nicht lange ungeöffnet blieben. Ein Halt beim Fast-Food-Restaurant folgte: Milchshakes, Burger, Eiscreme,… In ihrem Buch erzählt sie, dass sie auf der Fahrt noch drei weitere Stops folgten, um ihren Heißhunger zu stillen.

Kathryn verfiel in eine tiefe Depression. In dem nachfolgenden Semestern gelang es ihr nicht, ihre Essanfälle in den Griff zu bekommen - trotz zahlloser Versuche und Therapien. Bis ihr eines Tages ein Buch in die Hände fiel, dessen Inhalt ihr nach all den Jahren die Augen öffnen konnte.

Jahre später schrieb sie ihr eigenes Buch und sollte damit vielen anderen Betroffenen helfen.

Das animalische Gehirn

das „alte“ Gehirn

In ihrem Buch greift sie auf die Anatomie unseres Gehirns zurück. Unser Gehirn besteht aus zwei Teilen. Der eine Teil ist der präfrontale Cortex, der für unser logisches Denken verantwortlich ist und uns von den Tieren unterscheidet. Der zweite Teil ist das „alte“ Gehirn, auch „Reptiliengehirn“ oder „animalisches Gehirn“ genannt. Die Aufgabe des Reptiliengehirns ist unser Überleben zu sichern. In der Steinzeit hatten wir Menschen oft längere Zeiten nichts zu essen. In den Momenten, in denen uns Nahrung zur Verfügung stand, mussten wir also “zuschlagen”. Denn man wusste nie, wie lange die nächste Hungerperiode anhielt. Heutzutage ist das natürlich anders. Auf den meisten Teilen der Erde sind jederzeit Nahrungsmittel in Hülle und Fülle vorhanden. Doch wir Menschen sind immer noch gleich. Physiologisch gesehen hat sich unser Gehirn nicht groß verändert. Das was früher reale Gefahren, wie angreifende Säbelzahntiger waren, sind heute Briefe vom Finanzamt, Konflikte innerhalb der Beziehung oder ein zu hohes Arbeitspensum

Das ist der Grund, warum Diäten nicht funktionieren

„abnehmen ADÉ“

Es ist das Reptilienhirn, der “alte” Teil unseres Gehirns, das dafür sorgt, dass in einem schwachen Moment all unsere guten Vorsätze verschwunden sind. „Nur das Überleben zählt“, möchte uns unser Instinkt weismachen: „Greif zu! Greif deine Beute an!“. Wir können dann schlichtweg nicht anders. Es scheint uns in dem Moment vollkommen egal, ob wir uns vorgenommen haben abzunehmen, oder uns gesund zu ernährenUnd das ist einer der Gründe, warum Diäten nicht funktionieren. Bei Diäten zwingen wir uns auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten; insgesamt viel weniger Nahrung und Kalorien zu uns zu nehmen. Dieses ständige Kaloriendefizit sorgt dafür, dass unser Reptiliengehirn der Meinung ist, wir befinden uns in Hungersnot. Was möchte es also tun? Unser Überleben sichern – Essanfälle als Folge. Und Adé abnehmen.

Kathryn erkannte damals für sich: „Da kämpfen ja zwei Instanzen gegeneinander.“

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 Der logische Teil meines Gehirns sagt mir: “Du möchtest abnehmen. Du möchtest dich gesund ernähren.”. Der andere, animalische Teil, sagt: “Nein, du musst jetzt essen. Das ist wichtig. Du brauchst das um zu überleben!“ Und sie erkannte, dass es ihr “niedrigeres” Gehirn ist, dass sie immer wieder dazu zwingt, Unmengen an Lebensmittel zu verschlingen. 

Sie wusste nun, was sie tun musste, um diesen Gehirnteil zu überlisten und so wieder normale Essgewohnheiten zu entwickeln.

Heute führt Kathryn ein erfolgreiches Leben ohne Essstörung. Sie konnte vielen anderen Menschen zu einem beschwerdefreien, normalen Essverhalten verhelfen. In einem Interview berichtet sie, dass sie, im Gegensatz zu früher, wo keine Süßigkeit lange überlebte, heute, selbst in hohen Stressphasen, im Stande ist, ihrem Verlangen zu widerstehen. Sie kann Knabbereien auf eine normale Art und Weise begegnen und ganz gezielt, nur ab und zu, davon naschen.

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